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250 Jahre Musik in Fulpmes
250 Jahre Musik in Fulpmes

250 Jahre Musik in Fulpmes

Im Juni 1925 feierte man in Fulpmes ein großes Fest zum 150jährigen Bestehen der Musikkapelle. Die hochstehende Kirchenmusik der 1770iger Jahre hat man als Ausgangspunkt für die Entwicklung der Blasmusik, lange Zeit verbunden auch mit dem Streichorchester, gesehen. So dürfen wir nun mit großem Respekt auf 250 Jahre Musikpflege in Fulpmes zurückschauen und diese große Tradition lebendig halten.

Das Entstehen einer Blasmusik in Fulpmes kann mit Sicherheit auf die Zeit vor 1800 datiert werden, denn, so wird in einer Chronik berichtet: _„1801 am Martinitag (11. November) ist für uns ein erfreulicher Tag gewesen. Für’s erste ist ein Markt gewesen, vorher war keiner, für’s zweite ist die große Glogge gekommen … Der Michael Pfurtscheller ist bey derselben Bathe gewesen. Sie ist mit 4 Pferden geführt und mit der Musig nebst vielen Zusehern in Fulpmes eingeführt word_en.“

Das Entstehen dieser „Musig“ wurde durch die florierende Kirchenmusik begünstigt, deren Besetzung gegen Ende des 18. Jahrhunderts beachtlich angewachsen war. Tradiert wird, dass die Ausbildung der Musizierenden im Kloster Maria Waldrast erfolgte. Nach Aufhebung des Klosters 1785 sollen auch viele Instrumente von dort nach Fulpmes gekommen sein.

Eine „Symphonia ex C“ für Streichinstrumente und 2 Hörner (Trompeten), „In usum P. P. 1774“, ist der derzeit am frühesten datierte Anhaltspunkt für die weltliche Musikpflege mit Streichern und Bläsern in Fulpmes (in Privatbesitz). Thomas Happacher (geboren 1752), Leiter der Kirchenmusik, pflegte mit seinem Orchester auch weltliche Musik. Die von Happacher verfasste Abschrift der „Serenate a 13 Stromenti obligatti“ (von Stefan Paluselli / Stift Stams) weist eine beeindruckende Bläserbesetzung auf: Zu den Streichern treten „due Flauti Traversiere, Due Oboi a piacere, Due Corni da Caccia, Due Clarini con Tympani a piacere“. Wir können annehmen, dass Happacher auch die Harmonie-Musik („Musik“) betreute, die vor allem für die Freiluftmusik eingesetzt wurde.

Mit „Musik“ (umgangssprachlich „Musig“) ist bis heute eindeutig die Blasmusik definiert, und diese wird zu Beginn des 19. Jahrhunderts bei verschiedenen Anlässen erwähnt: 1808 besuchter der bayrische König Max Josef Fulpmes und wurde „am Schinteranger von viel Volk empfangen und von der Musik angeblaset“. Zu den Kämpfen von 1809 am Bergisel rückten die Stubaier mit „Fahn und Musick“ aus. „… als die in Schlachtordnung zu Wilten aufgestellten Feinde … die Stubaier Bauern mit Fliegendem Fahn und Klingendem Spiel kommen sahen, da wurde die Capitulazion sichtbar beschleunigt“.

Thomas Happacher kam 1817 auf tragische Weise ums Leben. Sein Sohn Joseph und der Enkel Martin, der als Schullehrer in Fulpmes angestellt war, führten die erfolgreiche musikalische Aufbauarbeit weiter. Schon im Oktober 1834 verstarb jedoch der „Schullehrer und Organist“ an Nervenfieber, 1835 verstarb dann sein Vater Joseph, „Chorregent und Müllermeister, nach Empfang der hl. Salbung nach Eiterung am gebrochenen Fuße, Abzehrung“.

1838 zur Erbhuldigung Kaiser Ferdinands marschierte die „Stubaier Musikbande“ den Schützen voran. Ein Stich von Czichna, der von Michael Pfurtscheller in Auftrag gegeben worden war, zeigt die Musikkapelle in beachtlicher Größe. Der Kapellmeister leitet seine Banda mit einem Klappenflügelhorn, das könnte Martin Denifl gewesen sein. Hinter ihm marschieren drei Reihen Musikanten, bemerkenswert das Bassregister: eine Ophikleide, eine Posaune und ein Fagott.

Musikkapelle Fulpmes

Michael Pfurtscheller förderte den Ausbau der Musikbande, kaufte Instrumente und ermöglichte die Ausbildung junger Musiker und bedachte die Musik auch in seinem Testament.

Martin Denifl (1814 – 1891), „privat, ehemals Schmied, Hausbesitzer, Ökonom“ (laut Sterbebuch) war vermutlich nach der Familie Happacher für die Musik in Fulpmes verantwortlich. Sein Tod war Anlass zu einer Würdigung im Bothen von Tirol: „… Mit 8 Jahren schon kam er zum Kirchenchor und wenig später zur Musikapelle, welch‘ er bis zu vergangenem Sommer als Violinist angehörte und früher durch viele Jahre als thätiger, verständnisvoller und opferbereiter Chorregent.“ (Bote von Tirol 23.12.1891). Wann er Kapellmeister der Musikkapelle wurde, ist nicht bekannt, vielleicht schon 1835.

Möglicherweise ergab sich durch das Bemühen des Cäcilienvereines in den 1880iger Jahren, die Kirchenmusik mehr von der weltlichen zu trennen, dass sich das Streichorchester unter Richard Krösbacher mehr in der Unterhaltungsmusik, auch als Bühnenorchester für Opernaufführungen der Theatergesellschaft, betätigte.

Johann Krösbacher hat 1874 die Leitung der Musikkapelle übernommen, selbst ein hervorragender Flügelhornist. Das Foto von 1876 zeigt ihn als solchen inmitten seiner Musikkapelle. Er probte intensiv mit seiner Kapelle, bis zu viermal pro Woche, so wird überliefert, Konzerte wurden im Schankgarten beim Platzwirt, der mit einer eigenen Veranda für die Musik ausgestattet war, gegeben. Zudem war die Musikkapelle gerne gehört bei Konzerten in verschiedenen Gastgärten in Innsbruck.

Johann Krösbacher hat eine Reihe von Abschriften angefertigt, Auszüge aus Opern, Opernouvertüren, Solostücke und Märsche scheinen den Hauptteil des Repertoires ausgemacht zu haben.

Musikkapelle Fulpmes

Sein Sohn Richard, ein Virtuose auf der Klarinette, folgte als Kapellmeister ab 1900. Er war ein hervorragend ausgebildeter Musiker und führte die Tradition von Blas- und Streichmusik weiter, ab 1905 war die „Streichmusik“ Theaterkapelle im neu erbauten Saal beim Platzwirt. Das reiche Repertoire an Unterhaltungsmusik für Orchester (Streicher und Bläser) hat sich im Archiv der Musikkapelle bis heute erhalten.

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde die Tätigkeit der Ensembles bald wieder aufgenommen.

1925 - das Jubiläumfest für die Musik in Fulpmes: 150 Jahre Musikpflege, zusammen mit Vereinsjubiläen, sowie 25 Jahre Kapellmeistertätigkeit von Richard Krösbacher gaben Anlass, ein großes Fest zu feiern. Mit Gastkapellen wurde der Tag musikalisch zugebracht, am Abend gab es eine Theatervorstellung mit der Streichmusik.

1935 - erneut ein Jubiläumsfest, bei dem Kapellmeister Richard Krösbacher besonders im Mittelpunkt stand, der dann im Dezember dieses Jahres verstarb.

Othmar Krösbacher, sein ältester Sohn, ein großer Könner auf der Violine, übernahm das Erbe und führte sowohl die Streichmusik als auch die Musikkapelle erfolgreich, durch die Kriegsjahre unterbrochen, weiter. Er wurde 1969 zum Ehrenbürger der Gemeinde Fulpmes ernannt, verstarb dann 1971.

1948 trat die Kapelle dem wiedergegründeten Landesverband der Tiroler Blasmusikkapellen bei, 1950 gab es die erste Generalversammlung des nun Verein gewordenen Ensembles. 1958 erfolgte die Neuausstattung mit Instrumenten in Normalstimmung, durch Spenden der Bevölkerung und der Gemeinde ermöglicht.

1966 wurde der Musikpavillon errichtet, der bis heute (mit Proberaum) der Musikkapelle Heimstatt bietet.

Musikkapelle Fulpmes

1969 wurde Otto Krösbacher, hochgeschätzter Flügelhornist, zum Kapellmeister gewählt, er führte die Kapelle bis 1999. Somit war durch mehr als 100 Jahr die Familie Krösbacher mit der Führung der Musik in Fulpmes betraut.

Seit 1981 sind Frauen als Musikantinnen bei der Musikkapelle, per Beschluss der Generalversammlung, willkommen. Seit damals hat sich der Anteil der weiblichen Mitglieder stetig gesteigert.

1997 wurde das neue Probelokal eingeweiht, zahlreiche Auftritte mit Öffentlichkeitswirksamkeit waren möglich, darunter beim „Musikantenstadl“ 1990 in der Tennishalle des Freizeitzentrums.

1999 übernahm Norbert Pittl die musikalische Leitung der Kapelle, seine Frühjahrskonzerte mit Programmschwerpunkten, zusammen mit verschiedenen Ensembles und zwei Doppelkonzerte zusammen mit der Musikkapelle Telfes sind unvergessliche Meilensteine in der Geschichte der Musikkapelle Fulpmes.

Musikkapelle Fulpmes

Seit 2022 leitet Josef Wetzinger die Kapelle. Damit schließt sich ein Kreis, denn schon die frühen Kapellmeister waren immer auch für die Kirchenmusik in Fulpmes verantwortlich, so auch er. Mit seinem reichen Erfahrungsschatz (seit 40 Jahren als Kapellmeister tätig, davon 30 Jahre in seiner Heimatgemeinde Telfes, weiter in Sterzing und in Steinach) hat er den Klangkörper zu Höchstleistungen geführt, die verschiedensten Sparten der Musik gepflegt und weiterentwickelt.

Quellen: Musiknoten in Privatarchiven (Gottfried Kapferer, Barbara Halbeis-Alexander) Mitteilungen von Dir. Barbara Halbeis-Alexander „Fulpmes“ – Heimatbuch zur 700-Jahrfeier (verschiedene Autoren) „Stubei“ 1891

Kapellmeister

  • Thomas, Josef, Martin Happpacher (?)
  • Ca. 1835 bis 1874: Martin Denifl (1814 – 1891)
  • 1874 bis 1900: Johann Krösbacher (1831 – 1903)
  • 1900 bis 1935: Richard Krösbacher (1877 – 1935)
  • 1935 bis 1969: Othmar Krösbacher (1905 – 1971)
  • 1969 bis 1999: Otto Krösbacher
  • 1999 bis 2022: Norbert Pittl
  • Seit 2022: Josef Wetzinger

Obmänner seit der Vereinsgründung

  • 1950 – 1953: Anton Krösbacher
  • 1953 – 1957: Heinrich Mair
  • 1957 – 1966: Heinz Bozetta
  • 1966 – 1981: Rudolf Mair
  • 1981 - 1999: Ferdinand Abenthung
  • 1999 – 2002: Johann Glatzl
  • Seit 2002: Karl Penz